Archive for the 'Uncategorized' Category

List

Thursday, October 26th, 2006

Maschine, mechane,  bedeutete war im Altgriechischen auch ein Wort für List. List setzt einen Zwiespalt voraus, nämlich zwischen dem, was man offensichtlich tut, und dem, was man im Geheimen damit bezwecken möchte. Die Fähigkeit zum Zwiespalt haben die Menschen erst lernen müssen. Sie haben sie sich aneignen müssen, weil sie auf die Völkerwanderungen und Plünderungen reagieren mussten, die auf die Katastrophe der Explosion von Thera folgten. Das Vokalalphabet hat entschieden zur Entfaltung dieses Zwiespalts beigetragen. Bevor die Menschen listenreich geworden sind, waren sie nach Julian Jaynes Maschinen. Die Verwendung von Zahlbegriffen im Unterschied zum blossen Zahlgefühl ist in diesem Sinne auch eine List. Die Menschen entwickelten abstrakte Regeln (die ich im Vorgriff auf die Turingmaschine als Maschinenformen begreife) in einer Zeit, in der sie wie Maschinen agierten, weil sie noch nicht über Selbstbewusstsein verfügten.
Diese Form der rückblickenden Gleichsetzung von Menschen und Maschinen ist problematisch. Ich halte sie dennoch für produktiv, allerdings, um der Gegenwart gerecht zu werden, die uns auf Titelblättern Menschen und Tiere zeigen, die jeden Moment Opfer von Gewalt und Mord werden können. Gerecht werden bedeutet hier zunächst, dass ein Mass gesucht wird, um den eigenen Zwiespalt zwischen Wahrnehmen und Versagen gegenüber dem Leid anderer, benennen zu können. Als ein solches Mass verstehe ich den Maschinengedanken. Bei diesem Zunächst darf es allerdings nicht bleiben.

Lebt das Pferd noch?

Thursday, October 26th, 2006

Auf dem Titelblatt der NZZ Nr. 248 ist ein Viehzüchter auf der Flucht vor den Kämpfen im Osten Tschads abgebildet. Er sitzt auf einem prächtigen braunen Pferd, das den linken Huf hebt und die Ohren spitz aufgestellt hat. Würdevoll, kräftig, aber quer zur Fluchtlinie des übrigen Viehs ist die Bewegung von Reiter und Reittier festgehalten. Durch einen Sehschlitz zwischen Atemschutz und locker gelegten Turban blickt der Viehzüchter in die Kamera. Es scheint, dass seine Augen sich senken angesichts der photographischen Berichterstattung von Stephanie Hancock/Reuters. Erwartet er aus der Richtung, aus der die Kamera ein Bild von ihm schiesst, tödliche Schüsse? Sieht er vielleicht, dass Herde, Pferd, er und seine Hirten, Frauen und Kinder dann schon nicht mehr leben werden, wenn das Bild der Berichterstatterin die Agenturen erreicht und damit eine Öffentlichkeit, die nichts mehr für ihn wird tun können, wenn sie denn überhaupt will?

Wednesday, October 25th, 2006

Wednesday, October 25th, 2006

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Doppelpass

Wednesday, October 25th, 2006

In: Zidane und ich. Brief eines Fussballspielers an seine Frau schildert Philippe Dubath das Glücksgefühl, das entsteht, wenn zwischen zwei Spielern ein Doppelpass gelingt. Der Doppelpass setzt etwas voraus, das Ahnung, Gefühl, Intuition genannt werden kann. Es setzt Training voraus. Doch zum Training und zur technischen Ausbildung muss dieses besondere Gespür und Glück hinzukommen. Ist dieses Gespür auf einen Mechanismus zurückführbar, der als Turing-Maschine darstellbar ist? Oder weisen der Doppelpass, ähnlich wie die Kombinationen Roger Federers oder die besonderen Momenten, in denen ein Kunstwerks gelingt, auf eine Intelligenz hin, die nicht logisch erfassbar ist. Wenn es eine solche Intelligenz gibt, dann gibt das Anlass zur Hoffnung.

P.S.: Hans-Jörg Rheinberger spürt besonderen Formen der Ausbildung von Intelligenz in wissenschaftlichen Laboren nach.


Der zur Käfiggrösse proportionale Abstand der Gitterstäbe

Wednesday, October 25th, 2006

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Tuesday, October 24th, 2006

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Monday, October 23rd, 2006

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NZZ

Monday, October 23rd, 2006

In den wolkenschweren Himmel ragt wie der gedachte Mast des Flosses der Medusa die Stange einer behelfsmässigen Unterkunft. Ihre Wände bestehen aus Stoffetzen und Papiersäcken mit der Aufschrift USA. Die Säcke enthielten vermutlich Lebensmittel, ein Wort mit C ist auf den Säcken undeutlich erkennbar. Welches amerikansiche Lebensmittel, das in Säcken geliefert wird, beginnt mit C? Verteilen die USA Couscous, oder enthielten die Säcke etwas anderes als Lebensmittel? Vor der Unterkunft steht ein Kanister mit der Aufschrift, die kaum als unesr (ein r, das spiegelverkehrt gesetzt ist) lesbar ist.  Der Kanister steht zwischen zwei Frauen, die in die Kamera von Daud Yussuf/Reuters schauen. Ein Mann duckt sich zwischen Baumresten auf dem rotsandigen Boden. Auch Kinder sind zu sehen: “Somalische Flüchtlinge bauen im Grenzgebiet Kenyas eine behelfsmässige Unterkunft”. NZZ Nr. 246, S. 3.

Sunday, October 22nd, 2006

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