Ingrid Wiener: Erste Schritte auf dem Weg zu Bayes # 11
Friday, February 5th, 2010Ingrid Wiener: Erste Schritte auf dem Weg zu Bayes # 11, Gobelin 2007, 34×50cm nach Blei- und Filzstiftnotizen auf DIN A4
Ingrid Wiener: Erste Schritte auf dem Weg zu Bayes # 11, Gobelin 2007, 34×50cm nach Blei- und Filzstiftnotizen auf DIN A4
So wie eine Hand aus Wasserfall, eine Föhre aus Flamingo, eine Lilie aus Pupille und schliesslich, wenn der Nebel wiederkehrt, verschwimmt unsere Sicht auf den gewässerten Februar. Insektenblut drängt in die ungemalten Bilder der Netzhaut. Wir graben Faustkeile aus der Nacht und schnitzen daraus neue Gesichter. Es surren so viele Fliegen rum, die weder lesen noch schreiben können. Aber ein Eierbecher hat auch kein Gedächtnis, das beruhigt.
Aus Magnolien wachsen die blühenden Bereifungen der Mörder. Wir danken Yves für die mittelgrossen Tiere, tragen sie feierlich auf Händen zurück in die Hütte ihrer Herkunft und schliessen den Mund. Ihre Augen spiegeln das Reifenprofil der Angst, aber wenn wir Wolle spinnen, wird der Regenmantel der Nacht an unserem Haus vorrübergehen und am Morgen, der Nebel Amerikas schwindet, blühen purpur die Fichten.
“Welcher Mütze gehört das Gesicht?”, öffnet sich knarrend eine Tür in die Nacht. Wir wenden unsere Hände in Mehl und braten sie über einem Feuer aus nordischer Fichte, hoffend, dass der Geruch unseres Fleisches die grossen Tiere anlockt.
Lacht die Mütze und öffnet zwei kleine Gehirne wie Kiwis, während sie weiter unten herum im Auto nach Norden fährt. “Walterchen,” rufen wir, “Vorsicht, ein Pfeil!” Zwei Baumnüsse sitzen als umgedrehte Äpfel im Fond des Wagens und können die Elche nicht vergessen. “Die kommen noch, wartet mal, das klappt schon,” flüstern die Kiwis, die besser denken können als die Äpfel. “Die Fliegen sind schon vorausgeflogen, wartet nur, jetzt kommen wir.”