Blog - Kunst, Sex und Mathematik
Sex, darüber zu sprechen, wertet sozial ab. Mathematik als Gegenstand der Auseinandersetzung zu wählen, ja, das gilt etwas. Dass Kunst noch möglich ist, das sie ein Vermögen in der Auseinandersetzung mit Mathematik und Sex entwickelt, dass ist ein Anlass für die Beiträge von Barbara Ellmerer, Yves Netzhammer und Nils Röller.
Im Januar und Februar 2007 bloggen auch Ingo Günther und Loredana Sperini.
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Verena Kuni stellt das Vorhaben prägnant dar: “Das Journal ist nicht nur aufgrund seiner Nutzung aktueller Medientechnologie auf der Höhe der Zeit. Die Schönheit der Mathematik zählt zu den klassischen Referenzgrössen unserer Kultur – spätestens seit die Renaissance in Berufung auf die «artes liberales» antike Wissenschaft für die Kunst fruchtbar machte. Sex und Kunst scheinen ebenfalls schon seit je zusammen zu gehören, wie ein Gang ins nächst beste Museum unschwer belegen kann. Und sogar für die auf den ersten Blick vielleicht eher ungewöhnliche Ménage à trois von Kunst, Sex und Mathematik lassen sich prominente Vorläufer finden – wie etwa bei Alfred Jarry oder im Surrealismus. Man Ray fotografierte die mathematischen Modelle eines Henri Poincaré als erotische Skulpturen; Max Ernst verwendete gelegentlich Graphen aus Lehrbüchern als Inventar für eindeutig zweideutige Szenen in seinen Collagen.
Unverkennbar erfährt dieser Komplex heute eine neuerliche Konjunktur. Die Kunstwissenschaften interessieren sich für die Visualisierung wissenschaftlicher Bilder und Modelle, künstlerische Arbeiten gewinnen selbst der Mathematik einen neuen Eros ab. Vor allem aber dürfte das Interesse an «Kunst, Sex und Mathematik» den digitalen Medien zu verdanken sein. Die Rechenkünste stehen nicht nur bei denen hoch im Kurs, die sich praktisch mit dem Erbe von Charles Babbages «Difference Engine» herumschlagen müssen – also jener Rechenmaschine, die als historischer Computer avant la lettre gilt. Gerade im Netz spriessen allenthalben Projekte, die von einer neuen Obsession für «Information Esthetics» künden. Dahinter steckt vermutlich mehr als nur die Liebe zur Schönheit von Mass, Zahl und Code. Weiterführende Überlegungen seitens von Kulturtheoretikern wie Friedrich Kittler – der Kalkulatoren selbst für jene sexy zu machen versteht, die sonst eher Abstand zu Zahlen halten – dürften nicht mehr allzu lang auf sich warten lassen.
Vorerst jedoch kann hier das «Journal für Kunst, Sex und Mathematik» mit seiner lose verknüpften und stetig weiter wachsenden Sammlung in die Bresche springen – und liefert sowohl aufgrund der inspirierenden Vielfalt seiner Einträge, als auch mit Blick auf sein ästhetische Niveau ein solides Surplus.” Verena Kuni in Clickhere.ch
