Mathesis

Machinen, Geräte, Werkzeuge breiten Ordnungen aus. Ritual und Tanz waren die ersten Maschinen der Geschichte. Sie stabilisierten das Innen und ermöglichten so erst eine stabile Wahrnehmung (Mumford).
Technische Neuerungen, mediale Veränderungen irritieren diese Ordnungen, führen zu Konflikten zwischen alten und neuen Ordnungen. Ordnung kann konservativ oder konstruktiv (Mumford, Kant) gedacht werden.
Ihre Kritik ist notwendig.
Kritik formuliert sich mit Hilfe von Ordnungen:
Eine Ordnung stellt andere Ordnungen in Frage.
Gelungen und gut ist die Kritik, die progressiv im Sinne Sennetts verfährt, wenn sie also fragt, obeine Ordnung als Projekt angelegt, an dem eine Gemeinschaft teilhaben kann, oder ob die Ordnung schlicht ausgrenzt.
Ordnungen in diesem Sinne zu denken und zu kritisieren, das ist mathesis im Sinne dieses Journals.

2 Responses to “Mathesis”

  1. Frederik Weitz Says:

    Nun, Foucault, mit dem Sennett ja befreundet war, formulierte mal, Kritik sei die Kunst, nicht dermaßen und in dieser Art und Weise regiert zu werden. Kritik ist also die Kunst, sich - teilweise - aus seinem Regiertwerden zu lösen.
    Ob Ritual und Tanz die ersten Maschinen der Geschichte waren, halte ich jedenfalls für eine sehr fragwürdige Behauptung. nachvollziehbar dagegen ist, dass man Ordnungen nur durch Ordnungen hinterfragen kann. Ordnungen dagegen müsste man erstmal definieren. Sie sind - meiner Ansicht nach - Strukturen, die Raumzeiten herstellen, also die Handlungsfolgen innerhalb eines Raumes (wobei sich der Raum auch durch die Handlungsfolgen etabliert, so dass es sich hier her um Rhythmen handelt, die zugleich Raum, Zeit und Handlung konstituieren).
    Geht man von Rhythmen aus, dann gilt es zunächst, sich neue Rhythmen zu erarbeiten (alte Rhythmen zu verabschieden ist dagegen vernachlässigbar). Hier spielt die Kreativität eine wichtige Rolle. Kreativität gewinnt einem Phänomen neue Verbindungen ab und kann alte Verbindungen durch Bearbeiten eingängiger machen. Mithin verändern sich hier Beziehungen, werden umfangreicher und teilweise kürzer. Neue Rhythmen entstehen. Das ist wie das Sich-Orientieren in einer neuen Stadt: man beginnt vor dem Hotel, läuft hierhin und dorthin, sucht sich Wege, entdeckt seine “Trampelpfade”, seine Nahrungsquellen, seine Rastplätze. Und kann so aus der Stadt nach und nach ein Gewebe von zweckdienlichen und unterhaltsamen Wegen erschaffen.
    Werkzeuge sind natürlich immer hervorragende Instrumente für Umwälzungen gewesen: durch die Axt werden plötzlich Zäune alltäglicher, damit Schutzwälle gegen wilde Tiere und damit auch eine Trennung von Vieh und familiärem Rückzugsort. Der Heimraum erhält dadurch ganz andere Möglichkeiten für Rhythmen. Und genauso ist heute die Rhythmisierung der Überwachung ein ganz anderes Thema als vor fünfzig Jahren. Metaphern wie der gläserne Mensch spielen sozusagen auf diese Jederzeitigkeit staatlich und wirtschaftlich geplanter Bespitzelung an.
    Jedenfalls ist das ein spannendes Thema.
    Frederik

  2. Journal für Kunst, Sex und Mathematik » Blog Archive » Ordnungen Says:

    [...] Sie sind - meiner Ansicht nach - Strukturen, die Raumzeiten herstellen, also die Handlungsfolgen innerhalb eines Raumes (wobei sich der Raum auch durch die Handlungsfolgen etabliert, so dass es sich hier her um Rhythmen handelt, die zugleich Raum, Zeit und Handlung konstituieren).” schreibt Frederik Weitz. [...]

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