Canto XII ∞/07

Etwas entgegenhalten? Einen Schirm suchen? Das gleissende Gelb abschirmen, sich vor ihm verkriechen? Newman`s Gelb stellt Fragen. Es fordert: Mut oder Bescheidenheit? Man denkt an Sonnenanbeter, die sich vor der Sonne niederknien oder an Xerxes. Der hiess seine Soldaten ein Gewässer auspeitschen, das sich nicht mit einer Brücke überqueren liess. Man möchte diesem Gelb, das nun schon den dritten Gesang beherrscht, etwas entgegenwerfen.

Vielleicht einen eigenen Gesang? Das Gelb mit Sinn bewerfen? Mit Prinzipien, Figuren, Spielen? Das wird vergeblich sein. Das Gelb wird alles verschlucken. Draller, kräftiger als wir wird es danach erscheinen. Sollen wir so vergeblich unsere Einbildungskräfte, Worte und Bilder auch den Zahlen der Toten entgegenwerfen?

Die NZZ meldet am Wochende, dass ein Toter den anderen Toten entgegengeworfen wird. Die ermordeten Soldaten der Revolutionsgarde sollen so gerächt worden sein. Von einem Anschlag auf die Garde, der elf Personen das Leben gekostet hat, berichtet Nr. 38. Wenige Nummern später erfahren wir, dass der Attentäter gefasst, verurteilt und zu Tode hingerichtet worden ist.

Gewalt wird Gewalt entgegengesetzt. Also: das Gelb des Sängers mit einem eigenen Gelb zu beschleudern und zu vertreiben? Verstehen wir doch das Gelb als Segel, das unsere Kräfte einfängt, als freundliches Segel, das sogar das Grün an seiner Seite erhebt und Wucht gewinnen lässt. Die Gesänge sammeln und bündeln dann als Segel unsere verstreuten Einbildungen und setzen uns in Bewegung.

Dieses Prinzip lässt sich auch auf die Nachrichten von Toten übertragen. Sie können dazu beitragen, dass wir unsere menschlichen Eigenschaften fokussieren und tätig werden lassen, indem wir unser Verantwortungsbewusstsein schulen.

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